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                           Gibt es rassetypische Krankheiten beim Deutschen Pinscher?

 

 

Wirklich rassetypische Krankheiten beim Deutschen Pinscher gibt es nicht. Trotz des beschriebenen engen Genpools gehört diese Rasse zu den robusten und wenig krankheitsanfälligen Hunderassen.

Den Züchtern von Deutschen Pinschern sind jedoch ein paar Krankheitserscheinungen bekannt, deren Entstehung und Behandlung zum Teil kontrovers diskutiert wird.

Impfreaktionen beim Deutschen Pinscher

Es kann vorkommen, dass Deutsche Pinscher Welpen ca. 8 bis 14 Tage nach der Erstimpfung mit Impfstoffen, die eine Staupe-Komponente enthalten, mit Staupe-ähnlichen Symptomen reagieren. Appetitlosigkeit, Apathie, Schwäche in der Hinterhand, wackeln mit dem Kopf, sind die ersten Anzeichen für eine Staupe-ähnliche Reaktion. Beim Tierarzt wird evtl. eine Mandelentzündung und Fieber diagnostiziert. Werden diese Krankheitssymptome nicht als Impfreaktion erkannt und nicht behandelt, kann es im fortgeschrittenen Stadium zu Epilepsie-ähnlichen Krampfanfällen kommen. Eine Behandlung mit Antiepileptika bringt hier keine Besserung. Bewährt hat sich eine Behandlung mit Kortikosteroiden (bspw. Prednisolon) und Antibiotika (Amoxicillin). Die Dosierung und Dauer der Gabe muss vom behandelnden Tierarzt dem jeweiligen Krankheitszustand angepasst werden. Je früher die Kortisongaben erfolgen umso niedriger kann die Dosierung angesetzt werden.

Ein Video, wie sich der Beginn einer solchen Impfreaktion auf die Staupe-Komponente im Impfstoff darstellen kann, können Sie hier sehen:  DP-Welpe Der Welpe wurde bei der Erstimpfung im Alter von 8 Wochen mit S-H-P geimpft und reagierte am 12. Tag nach der Impfung mit diesen motorischen Störungen. Noch in der Nacht fuhr die Züchterin zum Tierarzt, der Welpe bekam Kortison hochdosiert und hat nun keine neurologischen Störungen mehr.

Ein Video, das eine fortgeschrittene Impfreaktion zeigt, sehen Sie hier:  DP-Welpe Der Welpe wurde im Alter von 12 Wochen bei der zweiten Impfung mit S-H-P-Pi + L4+ T geimpft und reagierte am 24. Tag nach der Impfung mit diesen neurologischen Störungen. Er wurde mit Antieptileptika und einer viel zu geringen Dosis Kortison behandelt. Knapp 7 Wochen nach der Impfung wurde er eingeschläfert.

Dies sind leider keine Einzelfälle und es scheint, dass eine solche Impfreaktion auch durch die Komponente "L4" bei Wiederholungsimpfungen ausgelöst werden kann.

Ich rate deshalb dringend davon ab, einen Vierfach-Impfstoff gegen Leptospirose beim Deutschen Pinscher egal in welchem Alter einzusetzten!

Lesen Sie bitte dazu hier den Artikel von Mo Peichl:
Neue Lepto-Impfstoffe: Auch in Deutschland auffällig

Lesen Sie bitte hier: Impfreaktion Asra von Calpunia

 
  Hier gibt es eine kurze Zusammenfassung zu Impfreaktionen beim Deutschen Pinscher
 

Im Deutschen Tierärzteblatt 12/2012 wurde erstmals über Nebenwirkungen nach Impfungen von Deutschen Pinschern berichtet

Impfreaktionen sind sogenannte unerwünschte Arzneimittelwirkungen und sollten dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeldet werden:

Online-Meldungen an das PEI: Meldeformular
Lesen Sie bitte hier die Hinweise des PEI zur Meldung unerwünschter Arzneimittelwirkungen

Die unterschiedlichsten Impfreaktionen können bei allen Rassen und deren Mischungen auftreten. Lesen Sie bitte ausführlich weiter auf den Seiten über
 Impfungen

Ohrränder:

Hauptsächlich In der Pubertät kann es zu Problemen mit den Ohrrändern kommen, deren Ursache noch nicht geklärt ist und daher auch noch keine Vorsorge-Untersuchungen bei den Elterntieren erfolgen können.

Behandlungsvorschläge bei auftretenden Ohrrandproblemen finden sie auf dieser Seite
Ohrrandprobleme
 

Schilddrüse:

Sollten bei einer regulären Untersuchung vom Normalwert abweichende Schilddrüsenwerte beim Deutschen Pinscher festgestellt werden, lesen Sie bitte auf der Seite
Schilddrüsenwerte.


 

Für Züchter von Deutschen Pinschern stehen meines Wissens folgende Untersuchungen auf genetische Veränderungen zur Verfügung:

HD (Hüftgelenksdisplasie), Röntgenuntersuchung, vom PSK vorgeschriebene Pflichtuntersuchung

Dilutionsgen Fehlfarbe, einmaliger Gentest, vom PSK vorgeschrieben seit 01.07.2011

von-Willebrand-Erkrankung = Blutgerinnungsstörung vWD , einmaliger Gentest, keine Pflichtuntersuchung, jedoch empfehlenswert

jährliche Augenuntersuchungen bei einem DOK-Tierarzt auf erbliche Katarakt, keine Pflichtuntersuchung

Farbabweichungen vom Standard, z.B.   "Braun-Rot" oder rot mit brauner Nase, einmaliger Gentest, keine Pflichtuntersuchung

Untersuchung auf DLA - Dog Leukocyte Antigen, einmaliger Gentest, keine Pflichtuntersuchung

 

 
Pinch-hit's Lando

Die Reinzucht auf bestimmte Merkmale bringt es mit sich, dass andere Merkmale verloren gehen. Dies ist ein typisches Merkmal für alle Rassezuchten: Rassetiere sind bereits auf vielen Genen reinerbig, erst dadurch wird das einheitliche Aussehen erreicht. Je enger nun eine Rasse gezüchtet ist, umso mehr Gene sind reinerbig.

Obwohl der Deutsche Pinscher eine sehr alte Rasse ist (vermutlich geht er auf die Torfspitze zurück und findet erstmals 1836 Erwähnung bei Reichenbach) musste er 1920 (durch Einkreuzung von Black and Tan- Terriern) und 1958 (durch Einkreuzung von übergroßen Zwergpinschern) vor dem Aussterben bewahrt werden.

Besonders aus genetischen Gesichtspunkten ist diese zweite Wiederbelebung interessant. Die gesamte Population des Deutschen Pinschers in Deutschland entstand aus einer einzigen Deutschen Pinscher Hündin (Kitti vom Bodestrand) und den Zwergpinschern Jutta, Fürst, Illo und Onzo. Dazu wurden später vereinzelt Tiere aus der Schweiz und Frankreich angepaart. Diese waren Nachkommen aus Schnauzer pfeffer-salz x Pinscher - Verbindungen.
Ein weiterer Versuch, den Genpool zu erweitern, wurde in den 90-er Jahren mit der Einkreuzung einer Dobermann-Hündin gestartet. Hier sind jedoch leider nur wenige Hunde in der Zucht verblieben, der Nutzen ist daher sehr gering. In Finnland wurde der Versuch einer Einkreuzung mit  Schnauzern pfeffersalz vorgenommen. Da auch dies nur auf dem Engagement einer einzigen Züchterin beruhte, ist auch dieser Nutzen leider sehr gering.


Hündin N-Wurf "Pinch-Hit's"

Trotz dieser "Vergangenheit" ist der Deutsche Pinscher eine Rasse, die sich von vielen anderen Hunderassen dadurch unterscheidet, dass sie relativ wenig gesundheitliche Probleme hat. Das liegt einerseits an der günstigen mittleren Größe - alle typischen Erkrankungen, die der Zwergwuchs einerseits oder der Riesenwuchs andererseits mit sich bringt treffen auf den Pinscher nicht zu. Auf der anderen Seite kam der Deutsche Pinscher glücklicherweise bis vor einigen Jahren nie wirklich "in Mode" und die Zahl der Züchter und damit die Welpenzahlen stiegen nur langsam. Heute scheint sich das Blatt leider zu wenden, sehr viele Neuzüchter sind in letzter Zeit registriert worden - umso wichtiger, dass Wurfplanungen besonnen und mit Weitblick gemacht werden!

Deckrüden sollten insgesamt nicht allzu häufig eingesetzt werden, schon, um das Risiko von rezessiv vererbbaren Krankheiten zu minimieren.

Da die Diskussion um die "Deckrüden-Einsatzhäufigkeit" und um den Nutzen (oder Schaden) von häufig eingesetzten Rüden (Popular sire) oft sehr emotional diskutiert wird, hier vielleicht ein kleiner Hinweis auf die Auswirkungen, die ein in Bezug auf ein Merkmal anlagetragender Rüde auf die Gesamt-Population haben könnte:

Beispiel: Ein Merkmal, das sich rezessiv (verdeckt) vererbt, tritt in einer Population in einer Frequenz von 20 auf. Nach der Hardy-Weinberg-Regel ist hier mit 4% kranken Tieren (= Merkmalsträger) und 32% heterozygoten (mischerbigen) Tieren zu rechnen (= Anlageträger).

Bleibt die Population im genetischen Gleichgewicht, wird sich diese Verteilung über mehrere Generationen nicht ändern.

Wenn nun aber ein Rüde, der Anlageträger für ein Krankheitsmerkmal ist, gehäuft als Deckrüde eingesetzt wird, gibt er (statistisch) an die Hälfte seiner Nachkommen dieses Krankheitsmerkmal weiter. Es ist durchaus möglich, dass sich die Krankheit bei seinen direkten Nachkommen noch gar nicht zeigt, trotzdem hat sich die Genfrequenz in der Population geändert.  Ändert sich die Frequenz "nur" von 20% auf 25% sind in der übernächsten Generation bereits 6% kranke Tiere und fast 40% mischerbige Tiere zu erwarten. Und das nur, weil ein Rüde im Verhältnis zu anderen verfügbaren Rüden häufiger (viel zu häufig) eingesetzt wurde.

 

 

 

 

 


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aktualisiert: 05.10.2016